
Das Rezept ist so einfach, wie genial: Man nehme einen Haufen bekannter – und weniger bekannter – Helden aus dem Nintendo-Universum, mische ein paar Gaststars darunter und lasse ihren Aggressionen freien Lauf. Fertig ist Nintendos Erfolgsmodell schlechthin: Super Smash Bros. Was als ambitionierter, neuartiger Versuch auf dem Nintendo 64 begann und bereits damals Fans und Kritiker gleichermaßen begeistern konnte, schaffte mit Melee auf dem GameCube seinen endgültigen Durchbruch. Das Spiel wurde einer der best verkauften Titel für den Zauberwürfel. Entsprechend groß war die Vorfreude auf den neuesten Ableger der Serie, Super Smash Bros. Brawl für Wii. Vor allem die Tatsache, dass das Repertoire an waschechten „Hardcore“-Titeln von vielen Spielern als deutlich zu klein eingestuft wurde, ließ Brawl zum ersehnten Hoffnungsträger für Wii-Besitzer werden. Die Enthüllung vieler neuer Charaktere, wie Sonic oder Solid Snake, die Implementierung eines Online-Modus und nicht zuletzt die hervorragende grafische Qualität erster Screenshots und Trailer, versprachen von Anfang an einen würdigen Nachfolger für die Smash Bros.-Reihe – eine Rolle, der das Spiel zumindest bei den Verkaufszahlen mehr als gerecht wurde: Brawl wurde zum bis dato schnellst verkauften Nintendo-Spiel in den USA, in Japan konnten innerhalb von zwei Wochen gar 2 Millionen Exemplare abgesetzt werden. Klar, dass solch ein Blockbuster auf der anderen Seite auch einen hohen Erwartungsdruck bedeutet, weshalb das Spiel sicherlich etwas genauer und strenger unter die Lupe genommen wird, als manch anderer Titel. So wollen auch wir mit diesem Test neben vielen Stärken eben auch die eine oder andere Schwäche von Super Smash Bros. Brawl aufzeigen, ohne dabei den, und das sei schon im Voraus verraten, mehr als positiven Gesamteindruck zu schmälern.
Vollgepacktes Rundum-Sorglos-Paket
Als erstes Wii-Spiel wird Brawl auf einer Dual-Layer-DVD ausgeliefert, welche die doppelte Datenmenge einer normalen Wii-Disc fasst. Dass diese große Kapazität auch bitter nötig ist, offenbart sich gleich beim ersten Starten des Prüglers: Das Menü bietet eine solch große Vielfalt an verschiedenen Optionen, Extras und Modi, dass der geneigte Spieler gar nicht weiß, womit er denn nun beginnen solle. Schwingt man sich nun gleich in eine schnelle Smash-Partie, wagt man sich an Online-Gegner heran, oder sollte man doch lieber erstmal den Adventure-Modus anspielen? Die Entscheidung fällt sichtlich schwer. Und hinzu kommen die tollen Extras, egal ob Trophäen-Galerie, Aufklebersammlung oder erstmals auch ein Editor für eigene Stages – Brawl bietet eine solche Fülle an Möglichkeiten, man könnte theoretisch bis an sein Lebensende mit dem Ausprobieren beschäftigt sein. Wer wirklich alles freischalten möchte, wird dafür sicherlich einige Monate einplanen müssen – und das ist keinesfalls negativ zu verstehen! An einem Punkt besteht also kein Zweifel: Mehr Spiel für knapp 50 Euro wird man sonst nirgendwo so schnell bekommen.
Einmal mehr aufgestockt wurde übrigens auch die Anzahl der spielbaren Charaktere. Neben den Veteranen wie Mario oder Link, sind diesmal auch die beiden ausgeliehenen Helden Sonic und sogar Snake aus Metal Gear Solid mit dabei. So kann das Spielerfeld mit ganzen 35 verschiedenen Figuren aufwarten, auch Exoten wie R.O.B., ehemals ein Addon für das NES, lassen sich frei schalten. Brawl dürfte also so ziemlich jedes Videospieler-Herz höher schlagen lassen.
Alles neu macht die Wii
Kein Nachfolger, ohne neue Features. Auch Brawl ist natürlich nicht einfach nur ein aufgepepptes Melee, sondern führt viele kleinere und größere Neuerungen in die Smash Bros.-Welt ein. Allen voran der neue Adventure-Modus, der den etwas sperrigen Namen „Der Subraum-Emissär“ trägt. Hinter diesem Titel verbirgt sich nichts geringeres, als ein vollwertiger Storyteil, mit aufwendigen Zwischensequenzen, abwechslungsreichen Levels und gut und gerne 10 Stunden Spielspaß. Das Gameplay erinnert hierbei eher an ein Jump’n Run als an einen Prügler. So bahnt man sich in bester Platformer-Manier seinen Weg durch die vielen Levels, sammelt Items und entdeckt geheime Bonusräume. Und dies alles andere als schlecht – so lassen sich beispielsweise in den Abschnitten, in denen man die Kontrolle über Donkey Kong und Kumpane Diddy übernimmt, Analogien zur altehrwürdigen Donkey Kong Country-Reihe auf dem SNES nicht von der Hand weisen – großartig! Wo die ersten beiden Smash Bros.-Teile einen eher aufgesetzten Singleplayer-Modus boten, können also mit Brawl erstmals auch Alleingänger definitiv ihren Spaß haben. Natürlich sind neben dem Adventure-Modus auch wieder Einzelkämpfe mit diversen Einstellungsmöglichkeiten und der sogenannte Klassik-Modus, in dem man hintereinander gegen eine Reihe von Gegnern und Bossen antritt, mit von der Partie. Selbst einige Minispielchen, wie ein Home-Run-Wettbewerb, warten auf euch.
Und wer trotz des umfangreichen Einzelspielerteils gegen echte Gegner antreten möchte, aber keine geeigneten Freunde findet, der kann dank des Online-Modus endlich auch zu jeder Zeit passende Mitspieler finden. Hier hat man die Auswahl zwischen einem Spiel gegen Freunde, welches über das altbekannte Freundescode-System geregelt wird und einem Kampf gegen beliebige Gegner, entweder jeder gegen jeden, oder in Teams. Zudem lassen sich über die Online-Verbindung neue Spielmitschnitte, eigene Stages von Freunden und deren Screenshots übertragen. Lediglich vereinzelte Ruckler während des Spielens im Internet seien hier als Manko genannt, im Großen und Ganzen kann der Online-Modus aber zufrieden stellen.
Herzstück von Brawl aber ist und bleibt der herkömmliche Multiplayer-Teil. Zusammen mit drei Freunden kann man hier eine gehörige Portion Spaß haben. Egal ob im schnellen Kampf zwischendurch oder im angepassten Spezial-Brawl: Die Schadenfreude eurer Mitstreiter und die gemeinsamen, lustigen Momente vor dem Fernseher sind einfach durch nichts zu ersetzen. Und wer gleich eine große Party feiern möchte, für den bieten Wechsel- und Turnier-Modus die Möglichkeit, mit bis zu 16 bzw. 32 Spielern anzutreten. Für ausreichend Variation ist also gesorgt.
Dem grundlegenden Spielprinzip bleibt Brawl dabei immer treu. Ziel ist es, seine Gegner vom Spielfeld zu fegen – egal wie. Im Idealfall erhöht man den Schadenswert eines Spielers mittels diverser Attacken solange, bis ein Angriff das Fass zum Überlaufen bringt und die Spielfigur aus der Bildfläche befördert. Neben den verschiedenen Angriffstypen jedes Charakters, stehen euch hierfür zudem viele verschiedene Items zur Verfügung, die von Zeit zu Zeit auf dem Spielfeld erscheinen. Schusswaffen, rutschige Bananen, helfende Pokémon oder super-scharfes Chili, das eure Gegner verbrennt, sind nur einige wenige der vielen Gegenstände. Durch das Aufnehmen von Nahrungsmitteln lässt sich zudem euer eigener Schadenswert reduzieren. Neu in Brawl ist der sogenannte Ultra-Smash, eine besonders wirkungsvolle Attacke. Erscheint ein Smash-Ball auf dem Bildschirm, gilt es, diesen möglichst oft zu treffen. Der Spieler, der ihn als erstes zerstört, kann einmalig seine spezifische Ultra-Smash-Attacke in Gang setzen. Wenn daraufhin Fox McCloud einen gewaltigen Panzer auf der Bühne erscheinen lässt oder Kirby alles Erdenkliche in einen großen Kochtopf schmeißt und kräftig umrührt, versetzt das Spiel den Betrachter angesichts der tollen Effekte und mitunter amüsanten Szenen ins Staunen. Der Ultra-Smash, der manchmal ein fast schon entschiedenes Match noch drehen kann, ist auf jeden Fall eine sinnvolle und durchdachte Neuerung und sorgt für Spannung bis zum Schluss. All dies bedeutet gleichzeitig, dass auf dem Bildschirm immer sehr viel los ist, kaum eine Sekunde vergeht ohne brachialen Effekt oder hektischem Gewusel – für unerfahrene Spieler kann dies durchaus in Verwirrung und Stress enden, weshalb man Brawl eine gewisse Eingewöhnungszeit zugestehen muss.
Balsam für Aug und Ohr
Ja, das hervorragende Gameplay und der riesige Umfang von Brawl wissen zu begeistern. Doch auch die technische Seite steht diesen Aspekten glücklicherweise in nichts nach. Die Grafik überzeugt mit meist gestochen scharfen, hochwertigen Texturen, die Effekte wirken bombastisch inszeniert. Vielleicht mag manche Spielfigur nicht hundertprozentig perfekt modelliert erscheinen, angesichts der ansonsten aber überragenden grafischen Präsentation ist das eine oder andere Polygon zu wenig mit Sicherheit verschmerzbar. Vor allem die Ultra-Smashs zaubern ein Effektfeuerwerk auf den Bildschirm, welches auf der Wii bisher unerreicht ist. Selbstredend werden alle gängigen Features wie 16:9 und 480p unterstützt. Brawl zählt ohne Wenn und Aber zu den grafisch besten Wii-Titeln.
Ähnlich erfreulich fällt die akustische Qualität des Prüglers aus. Bereits zu Beginn des Spiels wird man mit einem orchestralen „Smash“-Hit begrüßt, während im Spiel selbst jede Stage ihre passende, themenspezifische Untermalung genießt. Einfach traumhaft, wenn Soundtracks aus vergangenen Videospieltagen auf diese Weise wieder erklingen! Damit nicht genug, können zudem zahlreiche CDs mit weiteren Tracks gesammelt und frei gespielt werden – auch Musikfans können mit Brawl ihren Spaß haben. Die übrigen Soundeffekte, wie die Sprachausgabe entsprechender Charaktere, sind ebenfalls gelungen. Gerade mit Dolby Pro Logic II kommt man hier in den vollen Audiogenuss.
Jeder wie er mag!
Im Vorfeld gab es viele Spekulationen darüber, ob und wie Smash Bros. Brawl die Wii-Steuerung einsetzen wird. Die einen befürchteten wildes Herumgefuchtle, die anderen sahen in einer deutlich vereinfachten Bedienung das Ende des hohen spielerischen Anspruchs der Reihe. Zum Wohle aller Smash Bros.-Veteranen lässt sich nun aber verkünden: Nichts dergleichen traf ein! Ganz im Gegenteil. Brawl bietet die Auswahl aus jeder erdenklichen Steuerungsvariante. Kenner des Vorgängers können gar auf den GameCube-Controller zurückgreifen und wie gewohnt zocken, während Neulinge sich an eine quer gehaltene Wiimote mit Smash-Attacke per Schüttelsensor wagen dürfen. Auch der Classic Controller wird unterstützt. Den besten Kompromiss jedoch bietet die Kombination aus Wiimote und Nunchuk, wie sie bei Wii-Spielen üblich ist. Hier steuert man einerseits ganz normal per Analogstick und A- und B-Button, kann aber trotzdem, falls gewünscht, auf die Schüttelattacke zurückgreifen und zudem dank der übrigen Buttons bequem zusätzliche Aktionen, allen voran das lustige Verspotten des Gegners, ausführen. Ansonsten dürften vor allem erfahrene Spieler kaum Probleme mit den vier Steuerungsarten haben, während Neulinge sicherlich erst einmal einen Überblick über die vielen möglichen Aktionen und Combos gewinnen müssen. Dennoch lässt die Wahl der Steuerung keine Wünsche offen.
Etwas anders sieht es leider bei der Umsetzung eben dieser aus. So kann vor allem das Laufen und Rennen teilweise etwas schwammig und verzögert erscheinen, während manche Attacke nicht das gewünschte Ziel trifft, weil man entweder ein paar Pixel zu nah, oder zu weit vom Gegner entfernt steht. In hektischen Situationen kann dies durchaus Einfluss auf das Spielgeschehen haben, da die Steuerung aber im Großen und Ganzen funktioniert und die meiste Zeit einer Partie die gewünschten Ergebnisse erzielt, fällt dieser Makel nur geringfügig ins Gewicht. Trotzdem wäre dies einer der Hauptpunkte, die man bei einem möglichen Nachfolger berücksichtigen sollte.
Ich will Extras!
Erwähnenswert sei an dieser Stelle auch noch der bereits genannte Stage-Editor. Erstmals lassen sich komplett eigene Levels erstellen und solo oder mit Freunden ausprobieren – online werden die Do-it-yourself-Ebenen leider nicht unterstützt. Generell ist der Editor leider recht eingeschränkt, da nur wenige verschiedene Blöcke und Gegenstände zur Verfügung stehen und sich Bestandteile wie Hintergrundbild und Musik auf die Vorgaben beschränken. Auch haben computergesteuerte Spieler mit komplexeren Stages ihre Schwierigkeiten. Dem Ausleben der Kreativität tut dies jedoch keinen Abbruch und das Teilen von selbst gebastelten Levels mit seinen Freunden über WiiConnect24 macht ohne Frage Spaß.
Wie beschrieben kommen auch Sammelfreunde auf ihre Kosten. Abermals gibt es unzähliger interessanter Trophäen zu bestaunen, zudem können Aufkleber, die im Adventure-Modus zur Aufwertung eurer Charaktere dienen, Soundtracks und viele andere Goodies frei gespielt werden. Ganz besonders cool: Die Meisterstücke – eine kleine, aber feine Sammlung von Spieleklassikern von NES bis N64, die jeweils für einen begrenzten Zeitrahmen von einigen Minuten angespielt werden können. Wer beispielsweise wissen möchte, wo Pit seinen ersten Auftritt hatte, kann mit der Demoversion von Kid Icarus für das NES Nachforschungen anstellen. Auch hochkarätige Titel wie Lylat Wars für das N64 können ausprobiert werden. Übrigens munkelt man, dass im Laufe des Spiels noch einige weitere Schätze erworben werden können. Mehr sei an dieser Stelle aber nicht verraten.
Grafik : sehr gut
Sound : sehr gut
Steuerung : gut
Spielspaß : sehr gut
Multiplayer : sehr gut
Positives +
+ Tolle Grafik
+ Orchestraler Soundtrack
+ Online-Modus
Negatives -
- Steuerung







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